Wie wirkt das Elterngeld heute auf Familien, Geburtenrate und Gleichstellung? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Verbandes berufstätiger Mütter (VBM) am 9. Juni in Berlin. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten diskutierte Judith Münter die Ergebnisse der neuen VBM/Prognos-Expertise zum Elterngeld und zeigte auf, welche Reformen Familien künftig brauchen.
Familienpolitik braucht Daten statt Debatten aus dem Bauch heraus
Familienpolitik wird in Deutschland oft emotional diskutiert. Doch welche Maßnahmen unterstützen Familien tatsächlich? Welche Auswirkungen hat das Elterngeld auf Geburtenzahlen, Erwerbstätigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Aus Sicht vieler Expertinnen und Experten braucht es vor allem eine Familienpolitik, die Leistungen, Betreuung und Erwerbsarbeit besser miteinander verzahnt. Familien benötigen verlässliche Rahmenbedingungen – von einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung über ein modernes Elterngeld bis hin zu flexiblen Arbeitsmodellen.
Häufig wird unterschätzt, wie viel unbezahlte Sorgearbeit täglich geleistet wird. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und die Organisation des Familienalltags sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass unsere Gesellschaft und Wirtschaft funktionieren.
Gleichzeitig werden die langfristigen Folgen dieser Care-Arbeit oft ausgeblendet: geringere Einkommen, Karriereeinbußen und niedrigere Rentenansprüche – vor allem für Frauen.
Familien würden besonders von drei Entwicklungen profitieren:
einem flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung,
einer stärkeren finanziellen Entlastung von Familien,
sowie einer Arbeitswelt, die Familienfreundlichkeit nicht nur verspricht, sondern tatsächlich ermöglicht.
Wichtig ist dabei, Familienpolitik als Zukunfts- und Fachkräftepolitik zu verstehen.
Hoffnung macht, dass die Bedeutung von Familienpolitik heute stärker wahrgenommen wird als noch vor einigen Jahren. Themen wie Care-Arbeit, partnerschaftliche Elternschaft und Vereinbarkeit stehen zunehmend im öffentlichen Fokus.
Zudem zeigen wissenschaftliche Studien und gesellschaftliche Initiativen, dass Veränderungen möglich sind, wenn Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln.
Deutschland wäre familienfreundlicher, wenn Familienpolitik konsequent an den tatsächlichen Lebensrealitäten von Familien ausgerichtet würde. Dazu gehören verlässliche Kinderbetreuung, faire Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie familienpolitische Leistungen, die finanzielle Sicherheit schaffen.
Ebenso wichtig ist es, Care-Arbeit stärker anzuerkennen und partnerschaftliche Elternschaft zu fördern. Familien sollten nicht ständig Betreuungslücken, bürokratische Hürden oder finanzielle Nachteile ausgleichen müssen. Stattdessen braucht es politische Entscheidungen, die Familien entlasten und ihnen Planungssicherheit geben.
Kurz gesagt: Deutschland wäre familienfreundlicher, wenn Familien nicht als private Angelegenheit betrachtet würden, sondern als Grundlage für eine starke und zukunftsfähige Gesellschaft.
Genau diesen Fragen widmete sich die neue VBM/Prognos-Expertise, die am 9. Juni vorgestellt wurde. Im Zentrum der Diskussion standen die Judith Münter, Initiatorin der Denkfabrik Familienbonus, VBM-Mitfrau, Mutter von zwei Kleinkindern sowie Impulsgeberin und Förderin der Studie, und Cornelia Spachtholz als Projektleiterin der Expertise.
„Familienpolitik braucht mehr Evidenz und weniger Vermutungen. Wir müssen verstehen, welche Instrumente Familien tatsächlich stärken und wo Reformbedarf besteht“, betonte Judith Münter.
Was untersucht die Elterngeld-Studie?
Die Studie analysiert die Wirkungen des Elterngeldes seit seiner Einführung und untersucht insbesondere:
- Auswirkungen auf die Geburtenentwicklung
- Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern
- Gleichstellung in Familien
- Einkommensentwicklung von Eltern
- langfristige Folgen für Altersvorsorge und wirtschaftliche Sicherheit
Damit liefert die Expertise wichtige Erkenntnisse für die aktuelle Debatte um die Zukunft des Elterngeldes und der Familienförderung in Deutschland.
Elterngeld und Geburtenrate: Welche Wirkungen zeigt das Instrument heute?
Nach Einführung des Elterngeldes stiegen die Geburtenzahlen und die Beteiligung von Vätern an der Elternzeit nahm zu. Das Instrument gilt bis heute als eine der bedeutendsten familienpolitischen Reformen der vergangenen Jahrzehnte.
Doch die Lebensrealität vieler Familien hat sich verändert.
Steigende Mieten, höhere Lebenshaltungskosten, Fachkräftemangel und fehlende Betreuungsplätze stellen Eltern vor neue Herausforderungen.
„Das Elterngeld bleibt ein wichtiger Baustein für Familien. Seine Wirkung hängt heute aber stärker denn je von funktionierenden Betreuungsangeboten und familienfreundlichen Arbeitsbedingungen ab“, sagte Judith Münter.
Die Studie macht deutlich: Finanzielle Leistungen allein reichen nicht aus, wenn gleichzeitig Betreuungsinfrastruktur und Vereinbarkeit von Familie und Beruf hinterherhinken.
Welche Reformen fordert die Studie?
Aus den Ergebnissen ergeben sich konkrete Reformansätze für eine moderne Familienpolitik:
1. Elterngeld an die Lebensrealität anpassen
Die Höhe der Leistungen sollte regelmäßig überprüft und an die Preisentwicklung angepasst werden.
2. Partnerschaftliche Elternschaft stärken
Mehr Anreize für eine gleichberechtigte Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit können langfristig die Gleichstellung fördern.
3. Kinderbetreuung ausbauen
Elterngeld und Kinderbetreuung müssen stärker zusammengedacht werden, damit Eltern tatsächlich Wahlfreiheit erhalten.
4. Familienpolitik als Fachkräftestrategie verstehen
Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöht die Erwerbsbeteiligung und hilft Unternehmen bei der Fachkräftesicherung.
Was bedeuten die Ergebnisse konkret für Familien?
Für Familien steht vor allem eines im Mittelpunkt: Verlässlichkeit.
„Familien brauchen Planungssicherheit. Wer Kinder bekommt, muss sich darauf verlassen können, dass Politik und Gesellschaft diesen Schritt unterstützen“, erklärte Judith Münter.
Die Studie zeigt, dass eine wirksame Familienpolitik:
- finanzielle Sicherheit schafft,
- Gleichstellung fördert,
- Altersarmut vorbeugt,
- Fachkräftepotenziale stärkt,
- und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands sichert.
Judith Münter: Familienpolitik ist Zukunftspolitik
Die Veranstaltung des VBM machte deutlich, dass Familienpolitik weit über die Unterstützung einzelner Familien hinausgeht. Sie entscheidet mit über wirtschaftliche Entwicklung, Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Mit ihrem Engagement für die VBM/Prognos-Expertise setzt Judith Münter ein wichtiges Zeichen für eine faktenbasierte Debatte über das Elterngeld und die Zukunft der Familienförderung.
Ihr Fazit:
„Wenn wir Familien stärken wollen, müssen wir ihre Lebenswirklichkeit ernst nehmen. Gute Familienpolitik ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in die Zukunft.“